Wohliges Dahinschmelzen

Tenor Volker Bengl erinnert in der Ludwigshafener Friedenskirche an den Kammersänger Rudolf Schock

VON UWE ENGEL

Der Tenor Volker Bengl ist gebürtiger Ludwigshafener und ein Star. Kein Wunder also, dass sein Konzert in der Friedenskirche in Friesenheim ein großes Publikum fand. „Auf den Spuren von Rudolf Schock“ war der Abend überschrieben. Bengl huldigte damit seinem Vorbild zu dessen 100. Geburtstag.

Der Sängerberuf war Bengl nicht in die Wiege gelegt, aber die Rudolf-Schock-Aufnahmen aus dem elterlichen Plattenschrank begeisterten ihn schon als Kind derart, dass er unbedingt Tenor werden wollte. Später studierte Bengl an der Musikhochschule Mannheim-Heidelberg und hatte das große Glück, noch von Rudolf Schock persönlich Unterricht zu bekommen. Nach dem Studium hatte er erste feste Engagements am Staatstheater Saarbrücken und am Münchner Gärtnerplatz-Theater, wo er sich ein großes Repertoire an Opern- und Operettenrollen erarbeitete. Weithin bekannt gemacht haben ihn jedoch die ganz nach seinem Vorbild gestalteten, vor allem dem leichteren Genre verpflichteten Mischprogramme mit Volks- und Kunstliedern, Operettenmelodien und Opernarien sowie mit geistlichen Gesängen. Diese Mischung präsentierte Bengl auch in der Friedenskirche und stellte dabei einmal mehr seine stilistische Vielseitigkeit und Flexibilität unter Beweis. Bengl verfügt über einen angenehm timbrierten und kraftvollen, mit viel lyrischem Schmelz versehenen Tenor. Die Intonation ist absolut sicher, warme Sonorität prägt die Mittellage und Höhen, während die tiefe Lage doch etwas blass klingt.

Den Anfang machte der Sänger mit Franz Schuberts „Leise flehen meine Lieder“, wobei Bengl suggestiv die lyrischen Linien ausgestaltete. Den innigen Ton traf er auch in den geistlichen Liedern, etwa dem „Sanctus“ aus Schuberts "Deutscher Messe". Klar in Stimme und Diktion und ohne Kitsch oder falsches Pathos sang Bengl Volkslieder wie „Im schönsten Wiesengrunde“ oder das schlicht-schöne „Leb denn wohl, du stille Gasse“, von dem Bengl zu erzählen wusste, dass es das Lieblingslied Franz Kafkas gewesen sein soll. Auch seiner pfälzischen Heimat huldigte der Sänger mit dem Lied eines anderen großen Tenors, Fritz Wunderlichs „Kusellied“. Seine Fähigkeiten zur präzisen Gestaltung und Phrasierung demonstrierte er alsdann bei Kunstliedern von Schubert und Richard Strauss. Und auch mit der ebenso anspruchsvollen wie eindringlich vorgetragenen spätromantischen Opernarie „Glück, das mir verblieb“ aus „Die tote Stadt“ von Erich Wolfgang Korngold vermochte Bengl zu überzeugen. Die war zwar etwas exotisch in diesem Kontext, aber ebenfalls ein Lieblingsstück von Schock.

Eigentlich aber warteten die Zuhörer auf die ganz großen Rudolf- Schock-Erfolge, die klassischen Operettenlieder, die Bengl dann auch mit viel Charme und stimmlicher Schönheit sang. Bei „Ich bin nur ein armer Wandergesell“ sang das Publikum mit, bei Norbert Schulzes „Ach, ich hab in meinem Herzen“ schwelgte es wohlig dahin, und als Bengl das "Wolgalied“ aus dem „Zarewitsch“ ankündigte, ging ein freudiges „Aaaah“ durch die Zuhörerreihen. Als aufmerksame und sensible Begleiterin erwies sich die Pianistin Annemarie Herfurth, die sich mit dem Andante aus Beethovens „Pathétique“-Sonate und Debussys „Clair de lune“ auch als feine Solistin profilieren konnte.

                                                                                                          Genehmigt von der "Rheinpfalz"

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