Viel Heimweh beim Heimspiel

                       Tenor Volker Bengl singt in Limburgerhof auf Einladung der Donaudeutschen Landsmannschaft

von Gereon Hoffmann

Limburgerhof. Von Heimweh hat Tenor Volker Bengl viel gesungen. Dabei war der Auftritt in Limburgerhof doch fast ein Heimspiel: Geboren ist der Sänger am Ufer des Rheines, in Ludwigshafen. Vom Ufer der Donau träumen noch die Donaudeutschen. Ihre Landsmannschaft hat den Sänger zum Muttertagskonzert eingeladen. Bengl und seine Schwester Ulrike Machill-Bengl sangen aus Opern und Operetten.

Anfangs hat der Sänger noch gebibbert, ob er das Konzert durchhält. Eine Allergie habe ihn heimgesucht, erklärte er den Zuhörern und entschuldigte sich im voraus, falls etwas mal nicht ganz gelingen würde. Die Jahreszeit ist halt nicht ungefährlich: “Eine Nacht im Mai, da kann so viel passieren“, sang Bengls Schwester.

Der Tenor und seine Sopran singende Schwester treten öfter gemeinsam auf. Doch in Limburgerhof gab es auch eine Premiere: „Wer uns getraut“ ist ein Duett aus der Operette „Der Zigeunerbaron“ von Walzerkönig Johann Strauss. Die Beiden ernteten begeisterten Applaus, nicht nur wegen des gelungenen Gesangs. Denn die Operette spielt genau in der Gegend, in der die Donaudeutschen ihre Heimat gefunden und schließlich wieder verloren hatten. „Heimat, das ist, was in uns ist“, sagte Bengl und sang „Wie’s daheim war“.

Daheim in Ludwigshafen wurde Bengl 1960 geboren. Als Knabe hörte er den Opernsänger Rudolf Schock und beschloss, auch ein mal Sänger zu werden. Doch der Sohn einer Handwerkerfamilie sollte erst mal „was Ordentliches“ lernen. Und so machte er eine Lehre zum Chemielaborant bei der BASF. Doch seinen Entschluss, Sänger zu werden, verlor er nie aus dem Blick – selbst als die akademischen Gesangslehrer ihn beim ersten Anlauf ablehnten. Beharrlich übte er alleine weiter und schaffte es schließlich an die Musikhochschule Mannheim, wo er Gesang studierte. Und  der von ihm verehrte Rudolf Schock war von Bengls Talent überzeugt und förderte ihn. Bengl startete eine erfolgreiche Karriere als Opernsänger.

16 Jahre lang währte sein Engagement am Münchner Staatstheater, er trat auf vielen renommierten Bühnen auf. Volkslieder und Kunstlied gehören zu seinem Repertoire ebenso wie Crossover, das Pop und Rock mit Klassik verquirlt. In Limburgerhof blieb er ganz traditionell. „Dein ist mein ganzes Herz“, das schon Rudolf Schock gesungen hatte, kam bestens an.

Das galt auch für seine Schwester Ulrike Machill-Bengl. Die Sopranistin begeisterte das Publikum nicht weniger als ihr Bruder. Mit gelungenen Koloraturen im „Blumenstrauß aus Nizza“ machte sie Eindruck. „Meine Lippen küssen so heiß“ versprach sie im roten Abendkleid. Die „Christl von der Post“ ist für Operettenfans ein echter Schlager. Und der Refrain „denn bei der Post geht’s nicht so schnell“ ließ den einen oder anderen im Publikum schmunzeln.

Im Duett wirkten die Geschwister jedes Mal ganz inniglich zusammen und begeisterten die Zuhörer. Erstmals sangen die Beiden aus der Operette „Paganini“ das Duett „Niemand liebt dich so wie ich“, was das Publikum jubeln ließ. Stefan Franz am Flügel war ein zuverlässiger Pianist, der in allen Stilrichtungen sicher die Sänger begleitete.

Am Ende applaudierte das Publikum stehend und es folgte eine ganze Reihe von Zugaben mit Ave Maria, dem Soldaten am Wolgastrand und zwei Rosen, die eine von Stanbul und die andere aus Bette Midlers Film „The Rose“.

Quelle:

Verlag: DIE RHEINPFALZ

Publikation: Ludwigshafener Rundschau

Ausgabe: Nr.110

Datum: Dienstag, den 14. Mai 2013

Seite: Nr.20

"Deep-Link"-Referenznummer: '91_10972514'

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