Zu Herzen gehender Musikgenuss -

        Konzert mit Volker Bengl

B a d  D r i b u r g (WB).

Wie Bekanntes zum Kleinod wird und Sentimentales die Seele rührt, haben die beiden Künstler Volker Bengl, Tenor und Annemarie Herfurth, Klavier und Orgel, in der evangelischen Kirche Bad Driburg bewiesen. Mit ihrem äußerst populären Programm mit Werken aus Oper, Kunstlied und Volkslied trafen sie den Nerv des Publikums.

Unter dem Titel »Still wie die Nacht« erklang vorwiegend Liedgut des 19. Jahrhunderts. Heute würde man es als »Hit« bezeichnen, was berühmte Komponisten vor 200 Jahren geschrieben haben: »Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre« von Ludwig van Beethoven, »Panis angelicus« von Cesar Franck oder »O Täler weit o Höhen« von Felix Mendelssohn-Bartholdy. In seinen begleitenden Anmerkungen beschwor Volker Bengl mit hehren Worten große Werte, große Emotionen: den Glauben, die Schöpfung, Heimat und Liebe. Musikalischer Höhepunkt des Abends waren die fünf Schubert–Lieder. Aus dem Vollbesitz seiner musikalischen Möglichkeiten schenkte der Sänger jedem Lied eine sensible Individualität. Er schöpfte die Ausdrucksnuancen nicht nur in der Gestaltung des Melos, sondern auch in der sprachlichen Deklamation aus. Wie der Sänger so unterschiedliche Ausdrucksbereiche wie das erhabene »Sanctus« aus Franz Schuberts »Deutscher Messe« oder die filigrane melancholische Stimmung in »Leise flehen meine Lieder« gekonnt traf, zeigte Bengl inneren Zugang zu Schuberts Werk, dessen Intimität er auch bei dem opulenten »Sanctus« nie aus dem Blick verlor. Leider kam Schuberts differenzierte Begleitung, die feinsinnigen Farben und Abstufungen des Klavierparts kaum zum Tragen – was aber weniger der Pianistin, als den klanglich begrenzten Möglichkeiten eines E-Pianos zu danken war. Volker Bengls stimmliche Stärken liegen eindeutig in der Mittellage, das konnte man vor allem in der Arie »Selig sind die Verfolgung leiden« aus der Oper »Der Evangelimann« von Wilhelm Kienzl erkennen. Mit seinen Liedern schaffte es der Tenor bei den Zuhörern so etwas wie eine innere Wehmut wach zu rufen, etwa auch mit dem titelgebenden Lied »Still wie die Nacht« oder »Ach ich hab in meinem Herzen«. Dankenswert scheut der Sänger aber jede Überakzentuierung textlicher Details, bindet die emphatische Hervorhebung in die durchgestaltete Linie ein und bringt ein Lied wie »Frühlingsglaube« mit all seinen Bildern und Emotionen ganz aus seinem natürlichen Duktus heraus zum Klingen. Liebenswürdige und liebenswerte Kleinigkeiten zu Liebesfreud und -leid – manchmal recht sentimental wie »Alle Tage ist kein Sonntag« – rundeten das Programm ab. Dabei war ihm Annemarie Herfurth an Klavier und Orgel eine sensible und beteiligte Partnerin. Das Publikum war begeistert und dankte den beiden Künstlern stehend für einen zu Herzen gehenden Musikgenuss.

                                                                               Quellennachweis und Genehmigung: Westfalen-Blatt

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